Rufen Sie uns an
Kontakt


Dr. med. Markus Klingenberg im Interview zum Thema „Sprunggelenkstrauma“

09.03.2015

Dr. med. Markus Klingenberg ist ein gefragter Facharzt für Orthopädie und Unfallchirurgie sowie ein erfahrener Notfallmediziner. Das renommierte Sportmagazin Trainingsworld besuchte den Experten für Gelenkchirurgie in seiner Bonner Privatpraxis und befragte ihn zu einem der häufigsten Sportverletzungen, dem Umknicktrauma des Sprunggelenks.

Trainingsworld, ein viel und gern gelesenes Fachmagazin für Hobby- und Profisportler, greift in regelmäßigen Abständen relevante sportmedizinische Themen auf. Insbesondere Artikel über die Behandlung und vor allem die Prophylaxe von Sportverletzungen sind für jeden Sportler wichtig für das eigene Training. Viele Sportarten gehen schließlich mit einem erhöhten Verletzungsrisiko einher, das es zu erkennen und zu vermeiden gilt. Nur wer die Ursachen kennt, kann Risiken vermeiden und so lange Ausfallzeiten aufgrund von Verletzungen verhindern. Das Umknicktrauma des Sprunggelenks ist eine der häufigsten Verletzungen – und zwar bei fast allen Sportarten. Der Experte Dr. Markus Klingenberg erläutert in seinem Artikel für Trainingsworld, welche Erste-Hilfe-Maßnahmen bei diesem Trauma zu ergreifen sind, wie die Behandlung verläuft und welches die Ursachen der Verletzung sind.

Was bedeutet „Sprunggelenkstrauma“ überhaupt?

Ein Sprunggelenkstrauma (in der medizinischen Fachsprache auch als „Supinationstrauma“ bekannt) ist die Folge heftigen „Umknickens“. Darunter wird eine kräftige Seitwärtsbewegung verstanden, wodurch das Sprungbein nach innen gedreht und der Halteapparat überdehnt wird bzw. sogar reißen kann. Es gibt verschiedene Schweregrade, wobei der leichteste lediglich eine Überdehnung der Außenbänder und Kapseln zur Folge hat. Komplizierter wird es, wenn ein oder gar mehrere Außenbänder reißen. Weitere Komplikationen können u. a. durch Außenknöchelfrakturen, Abscherverletzungen oder Verrenkungsbrüche auftreten. Besonders häufig treten diese Verletzungen bei Sportarten auf, die schnelle Richtungswechsel erfordern. Dazu zählen sämtliche Ballsportarten.

Welche Erste-Hilfe-Maßnahmen sollten bei einem Umknicktrauma des Sprunggelenks ergriffen werden?

Sobald ein Sportler „umgeknickt“ ist, sollten die Erste-Hilfe-Maßnahmen nach dem bewährten PECH-Schema erfolgen. Das bedeutet: Pause – Eis – Compression – Hochlagern. Selbstverständlich sollte mit einer solchen Verletzung das betreffende Bein zunächst einmal ruhig gestellt werden. Das Sprunggelenk wird bandagiert, auf einem Kissen oder ähnlichem hochgelagert und schließlich gekühlt. Der verletzte Sportler sollte auf dem schnellsten Wege zu einem Spezialisten (Facharzt für Orthopädie und Unfallchirurgie) gebracht werden.

Wie erfolgt die weitere Behandlung?

Der Spezialist wird das Sprunggelenk zunächst einmal manuell untersuchen und dabei auch zwecks Vergleichs die Gegenseite mit einbeziehen. Diese Untersuchung sollte spätestens innerhalb von zwei Tagen nach dem Unfall erfolgen. Um eine Fraktur auszuschließen, ist meist eine Röntgenaufnahme notwendig. Weist die verletzte Region eine deutliche Instabilität auf bzw. hegt der Arzt den Verdacht auf weitere Begleitverletzungen, so wird er eine Kernspinuntersuchung (MRT) anordnen. Dies ist oft der Fall, wenn die Knorpel oder die Syndesmose ebenfalls beeinträchtigt sind. Dabei handelt es sich um die Verbindung zwischen dem Schien- und dem Wadenbein. Leichte bis mittelschwere Fälle werden mit einer stürzenden Orthese behandelt, die das Gelenk entlasten soll. Salbenverbände werden ebenfalls unterstützend verschrieben, des Weiteren (pflanzliche) Schmerzmittel. Für die Heilung ist jedoch eine umfangreiche Physiotherapie von entscheidender Bedeutung. In meiner Praxis verbinden wir die Physiotherapie mit umfänglichen Bewegungsanalysen, um die optimale Wiederherstellung nicht nur der Verletzung, sondern des gesamten Bewegungsapparates kontrollieren zu können. Diese bewährte Vorgehensweise gehört im Spitzensport bereits zum Goldstandard.

Wie lange muss mit dem Training ausgesetzt werden, Dr. Klingenberg?

Das Umknicktrauma des Sprunggelenks ist keine Banalität, nach der es sich innerhalb von ein oder zwei Wochen wieder trainieren lässt. Selbst leichtere Fälle, die lediglich mit einer Orthese entlastet und mit Physiotherapie behandelt werden, benötigen eine Pause von mehreren Wochen. Diese ist auch notwendig, selbst wenn es dem Patienten scheinbar wieder besser geht. Heilt die Verletzung nicht aus, so sind schwer wiegende Folgeverletzungen und / oder Komplikationen die Folge. Mit einer Bewegungsanalyse (z. B. Y-Balance Test, Functional Movement Screen) kann ich in der Praxis abschätzen, ob der Patient wieder fit ist oder lieber noch pausieren sollte.

Was geschieht bei Komplikationen? Welche Folgen können diese haben?

In etwa 20 bis 40 Prozent der Fälle – also recht häufig – kommt es zu Komplikationen. Das Sprunggelenk weist eine andauernde Instabilität auf, es liegen Vernarbungen vor oder chronische Entzündungen u. a. der Schleimhaut. Auch Knorpelschäden können weiterhin Probleme verursachen. In diesen Fällen wird meist eine minimalinvasive Gelenkspiegelung (Arthroskopie) vorgenommen, um die Ursachen der Schmerzen so sanft wie möglich zu beseitigen. Anschließend sichert auch bei einem operativen Vorgehen eine umfassende Physiotherapie den Behandlungserfolg.

Wie kann einem Sprunggelenkstrauma vorgebeugt werden, Dr. Klingenberg?

Wie so vieles kann auch ein Sprunggelenkstrauma Folgen haben, die weit in der Zukunft liegen. So kann eine solche Verletzung etwa später die Entwicklung einer Arthrose begünstigen. Nicht nur deshalb ist es sinnvoll, einem Sprunggelenkstrauma vorzubeugen, damit es erst gar nicht dazu kommt. Um dieses Ziel zu erreichen, kommen viele Sportler in meine Bonner Praxis. Ich unterziehe sie dort einer funktionellen Bewegungsanalyse, die durch eine differenzierte Anamnese und eine körperliche Untersuchung optimal ergänzt wird. Darauf aufbauend erhält der Sportler einen abgestimmten Trainingsplan, der korrigierende Übungen enthält. Diese steigern sein Leistungsvermögen und damit auch sein individuelles Verletzungsrisiko.

Dr. Markus Klingenberg ist Facharzt für Orthopädie und Unfallchirurgie sowie für Notfallmedizin. Er ist ein gefragter Experte dem Gebiet der Sportmedizin, insbesondere auf den Gebieten der Gelenkchirurgie, Leistungsdiagnostik und der funktionellen Bewegungsanalyse. Regelmäßig veröffentlicht er Fachartikel in verschiedenen Fachmagazinen.