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Schulterluxation – welche Indikatoren das Behandlungskonzept beeinflussen

13.11.2014
Schulterluxation - Dr. Markus Klingenberg Bonn

Wie behandelt man einen Sportler, der sich die Schulter ausgerenkt hat? Operieren oder konservativ behandeln? Neben einer kompetenten klinischen und radiologischen Diagnostik (Röntgen und MRT) ist es wichtig folgende Punkte zu klären, um für den Patienten das optimale Behandlungskonzept festlegen zu können.

Wie ist es zu der Schulterluxation gekommen?

Die Art und Weise wie es zu einer Schulterluxation gekommen ist gibt einen Hinweis auf die Stabilität der Schulter vor der Luxation. Liegt ein ausreichend starkes Trauma vor wie beispielsweise ein Sturz bei hohem Tempo oder eine hoher Krafteinwirkung von außen durch einen Gegner beim Sport, so war die Schulter vermutlich zuvor recht stabil, sofern der Patient nichts gegenteiliges berichtet. Ist die Schulter allerdings bei einer ungewöhnlich geringen Belastungen oder einer Alltagsbewegung luxiert, so ist eine vorher bestehende Instabilität wahrscheinlich.

In diesem Zusammenhang ist es auch sehr aufschlussreich, die Schulter der Gegenseite und übrige Gelenke, wie das Handgelenk oder das Ellenbogengelenk auf eine generelle Hypermobilität hin zu überprüfen.

Wie oft ist die Schulter schon luxiert?

Bei einer Erstluxation ist ein konservativer Therapieversuch meistens gerechtfertigt, sofern keine wesentlichen Begleitverletzungen aufgetreten sind. Ist die Schulter jedoch schon zum wiederholten Mal luxiert, so steigt die Wahrscheinlichkeit für eine erneute Schulterluxation.

Wie alt ist der Patient?

Das Lebensalter des Patienten spielt insofern eine bedeutende Rolle, als dass bei Sportlern über 30 eine erneute Luxation statistisch unwahrscheinlicher ist und bei jüngeren Sportlern anderseits deutlich wahrscheinlicher.

In welche Richtung ist die Schulter luxiert?

Man unterscheidet Luxationen in eine Richtung – unidirektional und in mehrere Richtungen – multidirektional. Multidirektionale Instabilitäten sind aufwendiger zu versorgen und treten häufiger bei einer generellen Hypermobilität auf.

Was sind der berufliche und sportliche Anspruch des Patienten?

Der individuelle Anspruch des Patienten hinsichtlich der beruflichen und sportlichen Belastbarkeit seiner Schulter spielt eine ganz entscheidende Rolle.

Ist eine hohe berufliche Belastung der Schulter gegeben, wie beispielsweise bei Handwerker oder Mitarbeitern der Feuerwehr oder des Rettungsdienstes, so kann eine erneute Schulterluxation zum falschen Moment den Patienten und weitere Person direkt gefährden und man sollte überprüfen, ob eine Stabilisierung direkt durchgeführt werden sollte.

Das Gleiche gilt bei Profisportlern und ambitionierten Breitensportlern, die eine Sportart mit hohem Einsatz des Schultergelenks betreiben (z.B. Handball).

Konservative Therapie

Konservativ sollte die Schulter nach einer Luxation bis zur Schmerzfreiheit entlastet und anschließend gezielt funktionell stabilisiert werden. Nach einer physiotherapeutischen Therapie sollte sich ein gezieltes funktionelles Training der Schulter anschließen, das generell und sportartspezifisch die Stabilität der Schulter verbessert. Betreibt der Sportler eine Wurf- oder Schlägersportart ist es auch immer sinnvoll, die Wurf- oder Schlagtechnik zu überprüfen.

Operative Therapie

Operativ werden Schultern in den meisten Fällen arthroskopisch, also minalinvasiv, versorgt. Dabei wird die Gelenklippe (Labrum) – mit Fadenankersystemen wieder an der Schulterglenkspfanne (Glenoid) befestigt. Die Gelenklippe stabilisert mit den Muskeln der Rotatorenmanschette den Oberarmkopf in der Gelenkpfanne.

Postoperative Nachbehandlung

Nach der OP wird die Schulter für mehrere Wochen mit einer speziellen Bandage / Orthese ruhiggestellt und zuerst vorsichtig passiv durch einen Therapeuten und dann zunehmend auch aktiv durch den Patienten mobilisiert. Vor allem eine Außenrotation muss zu Beginn der Behandlung strikt vermieden werden. Beim anschließenden Training muss auf eine Retraktion der Schulter und eine Dehnung des Musculus pectoralis , sowie auf die Stabilisierung der Schulterblattstabilisatoren größter Werd gelegt werden. Ein Vermeiden von Überkopf- bzw. Kontaktsportarten ist für ca. 6 Monate zu empfehlen.

Die erfolgreiche Versorgung einer Schulterluxation ist immer ein Teamerfolg. Nur die enge Zusammenarbeit von Patient, Physiotherapeut / Trainer und Arzt führt zu nachhaltig guten Ergebnissen.